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Switzerland and the Holocaust Assets

The Press About Us

Nachrichten über nachrichtenlose Konten

Eine private Web-Site setzt Massstäbe für Öffentlichkeit

von Daniel Weber, Neue Zürcher Zeitung/Netzgeflüster, 31. Oktober 1997



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The Press About Us
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Das Internet ist das demokratischste aller Massenmedien. Jede kann im World Wide Web publizieren, jeder kann Informationen placieren, die ihm wichtig scheinen. Gewiss, der grösste Teil davon ist kaum von Belang, vieles ist ärgerlich unbedarft. Aber es gibt ebenso viele sympathische Sites, wie jene eines Schweizer Informatikers über seine Wahlheimat in der Provence, die er mit liebevoller Sorgfalt vorstellt. Und es gibt solche, die mit ihrer Professionalität höchsten Ansprüchen genügen. Solche, wie die "Switzerland and the Holocaust Assets"-Site von Bruno Giussani.

Der gebürtige Tessiner ist ein Internetjournalist der ersten Stunde. 1995 entwickelte er als Redaktor beim Westschweizer Wochenmagazin "L'Hebdo" den Online-Auftritt der Zeitschrift, "Webdo", der Massstäbe setzte und keinen Vergleich mit ausländischen Produkten zu scheuen brauchte. Seit 1997 ist er als freier Journalist tätig, unter anderem für die NZZ und als Kolumnist für die "Cybertimes", die Online-Ausgabe der "New York Times". Und seit Juni 97 ist Bruno Giussani mit einer Site über die Schweiz und die nachrichtenlosen Vermögen im Netz präsent.

Wer sich mit dem Thema beschäftigt, kommt um diese Adresse nicht herum; sie liefert eine ausserordentlich umfassende Materialsammlung und ist nicht zuletzt darum wertvoll, weil sie nicht Partei ergreift, sondern nüchtern dokumentiert. Für ihn sei die Debatte um das Verhalten der Schweiz und der Schweizer Banken im Zweiten Weltkrieg zentral für das heutige Selbstverständnis unseres Landes, begründet Giussani sein Engagement. Seine Site ist unabhängig, sie wird von ihm selber redaktionell betreut und finanziert.

Zunächst einmal ist "Switzerland and the Holocaust Assets" eine eindrückliche Sammlung von Links: zu Veröffentlichungen in der Schweizer und ausländischen Presse (jeweils in der Originalsprache); zu allen involvierten Regierungsstellen und Organisationen (mit Adressen, Telefonnummern, E-mail-Adressen); zu grundlegenden Dokumenten, vom Eizenstat-Bericht bis zur Namensliste der verschollenen Kontoinhaber, die die Schweizerische Bankiervereinigung publiziert hat; zu ausgewählten Web-Sites im Umfeld des Themas, von Christoph Blochers Homepage bis zu einer Solidaritätsaktion der Schüler des Literargymnasiums Bern Neufeld.

Die eigentliche Leistung Giussanis ist aber die Chronologie der Ereignisse, die laufend aktualisiert wird. Sie beginnt mit der 50-Jahr-Gedenkfeier zum Ende des Zweiten Weltkriegs am 7. Mai 1995, mit Bundespräsident Kaspar Villigers Rede vor dem Parlament, in der er sich dafür entschuldigte, dass die Schweiz vom Dritten Reich verlangte, die Pässe jüdischer Bürger mit einem "Judenstempel" zu kennzeichnen. Und sie listet in der Folge knapp und gerafft alle entscheidenden Stationen des Konflikts auf. (Ausgedruckt umfasst die fast täglich erweiterte Chronologie 14 Seiten.) Verdienstvoll sind auch die Hinweise auf bevorstehende Konferenzen und Anlässe zum Thema.

Die Site ist in der Gestaltung unprätentiös, beispielhaft klar strukturiert und einfach zu navigieren. Im Schnitt eine halbe Stunde pro Tag wendet Giussani für sein Projekt auf. Der Vollständigkeit der Dokumentation Abbruch tut in erster Linie ein technisches Problem: Bei einigen Zeitungen ändert sich die URL, die Adresse eines Artikels, auf den ein Link verweisen kann, sobald eine neue Ausgabe ins Netz gestellt wird. Bei der NZZ etwa geschieht dies schon einen Tag nach der Online-Publikation, bei der "Libération" eine, bei der "Washington Post" zwei Wochen später. Wieder andere, wie die "New York Times", arbeiten mit dynamischen Webseiten, die bei jeder Abfrage neu generiert werden und unter einer neuen Adresse erscheinen.

Das schmälert jedoch die Fülle von Informationen, die "Switzerland and the Holocaust Assets" bietet, nicht wesentlich. Die Site wurde zurecht von namhaften Blättern wie "Le Monde" mit Lob bedacht, und die 2000 Besucher, die sie wöchentlich verzeichnet, haben keinen Anlass, ihren Mausklick zu bereuen. - Darüber, wohin zu klicken sich für jene lohnt, die ihren Sparstrumpf an der Börse besser aufgehoben wissen als unter der Matratze, berichten wir nächste Woche.


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