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Roam. Making Sense of the Wireless Internet
Reviews and press coverage
Prophet der Internettrends
von Thomas Brenzikofer, Cash, 26 October 2001
Konferenzsäle, Flughafenterminals und Bahnhöfe gehören genauso zu seiner Heimat wie das Tessiner Bergdorf Faido. Dort ist der 37-jährige Bruno Giussani aufgewachsen, und dorthin zieht es ihn auch immer wieder zurück, zuletzt Anfang dieses Jahres, um ein Buch zu schreiben. Es trägt den Titel «Roam - Making Sense of the Wireless Internet» und verspricht laut Eigenwerbung die erste «hypelose» Bestandesaufnahme der drahtlosen Zukunft.
Das Timing könnte nicht besser sein, denn nach der Ernüchterung wirft die Mobilindustrie jetzt allmählich wieder den Motor an. Mit von der Partie ist auch Bruno Giussani. Doch nicht von der bequemen Autorenwarte aus, sondern als ein tatkräftiger Macher. Seit Oktober bekleidet er bei der Schweizer Telefónica-Tochter und UMTS-Lizenznehmerin 3G Mobile den Posten eines Director of Innovation. Für ihn persönlich gehe es dabei um einen Reality-Check: «Schreiben ist eine abstrakte Tätigkeit. Jetzt bin ich neugierig darauf, meine Gedanken an der Wirklichkeit zu testen.»
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Mit drahtloser Technologie ist Giussani 1993 erstmals in Kontakt gekommen, und dies im entlegensten Winkel der Türkei, nahe an der iranischen Grenze. Als Politikredaktor des Westschweizer Nachrichtenmagazins «L'Hebdo» begleitete er damals zwei Nationalräte nach Van, in ein kurdisches Kaff, wo drei Schweizer Geiseln festgehalten wurden. Da klar war, dass der türkische Geheimdienst das Hoteltelefon abhören würde, schleppte ein Schweizer Diplomat ein Satellitentelefon heran. Das hatte zwar die Grösse einer Schuhschachtel, doch tat es seinen Dienst: Die Geiseln konnten innert Tagen befreit werden, und Giussani erfuhr erstmals, zu welchen ganz konkreten Resultaten der Einsatz der neuen Kommunikationstechnologien führen kann.
Diesem Thema blieb er seither treu. Als «Hebdo»-Korrespondent in New York beschäftigte er sich ein Jahr später intensiv mit dem Internet. Zurück in Lausanne lancierte er mit Webdo.ch eine der ersten News-Sites Europas und machte sich in den folgenden Jahren auch europaweit einen Namen als Kolumnist der Online-Ausgabe der «New York Times». Fast kein Kongress, auf dem er nicht als Redner oder Moderator anzutreffen gewesen wäre. Selbst für den Kongress aller Kongresse, das World Economic Forum (WEF) in Davos, wurde er als Internetstratege verpflichtet. Zudem stand er WEF-Gründer Klaus Schwab für den inhaltlichen Teil zum Thema Informationstechnologien beratend zur Seite.
Doch auch den De-Hype hat Giussani zu spüren bekommen: Als Europaredaktor des «Industry Standard» half er im Jahr 2000 mit, die europäische Version des US-Leibblatts der New Economy vom Stapel zu lassen. Dem Projekt war wenig Glück beschieden. Kaum crashte die Technologie-Börse, wurde das Magazin wieder eingestampft. Immerhin brachte das Abenteuer Giussani einen Platz in Liza Roberts' «Europe's A-List» ein, einem Who's who der europäischen Internetszene. Und so darf er sich heute, notabene als einziger Schweizer, neben illustren Persönlichkeiten wie First-Tuesday-Mitgründer Nick Denton oder Easyjet-Patron Stelios Haji-Ioannou unter die 50 «Movers» und «Shakers» der europäischen New Economy einreihen. Roberts nannte ihn in ihrem Buch «Mr. Connected».
Ein Titel, der Giussani gefällt. In seinen globalen Streifzügen durch die New Economy sei er immer auf sehr interessante Menschen gestossen, und oft habe sich daraus mehr ergeben als nur flüchtige Geschäftskontakte. Doch trotz - oder gerade wegen? - des internationalen Beziehungsgeflechts hat er den Kontakt zur Tessiner Heimat nie verloren: «Man muss irgendwo seine Wurzeln haben.» Und die zementierte er durch die Gründung einer eigenen Firma - zusammen mit Freunden: Tinet, der erste Internet-Serviceprovider in der Schweizer Sonnenstube, der vor zwei Jahren von der Cablecom übernommen wurde. Millionär sei er damit nicht geworden, doch immerhin hat der Erlös gereicht, um das nächste Venture im Tessin anzuschieben: Tinext, eine Internetsoftwarefirma.
Überhaupt, meint Bruno Giussani aufs Geld angesprochen, er habe zwar die Trends im Internet immer frühzeitig erkannt, den Börsenhype aber krass verpasst: «Wie viele andere habe ich versucht zu begreifen, wie die New Economy funktioniert, und als ich es endlich herausgefunden hatte, ist die Blase geplatzt», meint er nicht ohne Selbstironie, fügt aber sofort an: «Aber beklagen möchte ich mich deswegen überhaupt nicht.»
Das Buch Bruno
Enttäuschung auf breiter Front: Die Technologie kommt nicht, die Telekommunikationsunternehmen haben kein Geld mehr zum Investieren, und die Konsumenten interessiert es überhaupt nicht. So präsentiert sich derzeit die schlechteste aller Mobilwelten. Nicht so auf den 300 Seiten von Bruno Giussanis «Roam - Making Sense of the Wireless Internet». Dabei handelt es sich keineswegs um ein visionäres Buch. Vielmehr bringt Giussani Fakten: Der erste Teil des Buchs gibt einen packenden Rückblick, wie die Erwartungen geschürt und schliesslich enttäuscht wurden. Im zweiten Teil wird der zukünftige Markt für mobile Services und deren Anbieter untersucht. Der dritte Teil geht der Frage nach, wie das Handy der Zukunft aussehen muss: Soll es alles können oder nur weniges, dieses aber dafür richtig? Im vierten Teil kommt Giussani schliesslich auch auf die Risiken der schönen neue Mobilwelt zu sprechen: Von Viren ist da die Rede und natürlich von der Strahlengefahr der Antennen. Und zu guter Letzt, quasi als Epilog, wird dann noch einer befragt, der es eigentlich wissen müsste: Es ist Martin Cooper, seines Zeichens Erfinder des Mobiltelefons. (TB)
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(Copyright Cash 2001)
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